5 Ohmsches Gesetz, Spannungsteiler und
Wheatstonesche Brücke
5.1 Stichworte
Elektrische Spannung, Stromstärke, elektrischer Widerstand, Ohmsches
Gesetz, Kirchhoffsche Gesetze, Gesamtwiderstand bei Serien- und
Parallelschaltung, spezifischer Widerstand, Spannungsabfall,
Spannungsteiler, Potentiometer, Strom- und Spannungsmessung
5.2 Ohmsches Gesetz
5.2.1 Einführung
Um den Widerstand eines elektrischen Leiters zu messen, kann man eine
Spannung U anlegen und den dann fließenden Strom I messen oder man
kann einen vorgegebenen Strom I durch den Leiter schicken und den
dadurch hervorgerufenen Spannungsabfall U messen *. Der Widerstand
ergibt sich in beiden Fällen zu
Die Einheit des Widerstands ist das Ohm (W). Im Allgemeinen wird
der Widerstand von der gewählten Meßspannung bezw. von der Stärke des
gewählten Meßstroms abhängen. Für Metalle und Legierungen gilt aber das
Ohmsche Gesetz, das sagt, daß Stromstärke und Spannungsabfall bei
diesen Leitern einander direkt proportional sind, zumindest bei
konstant gehaltener Temperatur des Leiters. In diesen Fällen hängt der
Widerstand also nicht von der Meßspannung oder dem Meßstrom ab.
Der elektrische Widerstand R eines zylindrisch oder prismatisch
geformten homogenen Leiters ist direkt proportional zu seiner Länge L
und umgekehrt proportional zu seiner Querschnittsfläche A. Die Größe
heißt der spezifische Widerstand des Leiters. Sie hat die Einheit
W·m.

Abb. 1:
Messung der Strom/Spannungs-Kennlinie
eines Kanthaldrahts
- Messen Sie die Strom/Spannungs-Kennlinie eines
Widerstandsdrahts, damit Sie sich von der Gültigkeit des
Ohmschen Gesetzes überzeugen können. Dazu stehen außer einer
einstellbaren Spannungsquelle ein Drehspul-Voltmeter und ein
Drehspul-Amperemeter zur Verfügung. Die beiden in Abbildung
1 gezeichneten Schaltungen sind möglich.
In der in der linken Hälfte von Abbildung 1
gezeichneten Schaltung mißt das Voltmeter die wahre, am Meßdraht
liegende Spannung; das Amperemeter mißt aber den Stromverbrauch
des Voltmeters mit. In der rechts gezeichneten Schaltung mißt
das Amperemeter nur den durch den Meßdraht fließenden Strom,
aber dafür mißt das Voltmeter die Summe aus der am Meßdraht
liegenden Spannung und dem Spannungsabfall am Amperemeter. Bei
einem Meßbereich von 2.5 V beträgt der Eigenwiderstand des
Voltmeters 2500 W. Das Amperemeter hat bei einem Meßbereich von 250 mA einen Eigenwiderstand von 0.4 W. In welchen Fällen ist der relative Fehler einer
Widerstandsmessung bei Benutzung der linken Schaltung kleiner
und in welchen bei Benutzung der rechten Schaltung? Entscheiden
Sie sich nach einer ersten, groben Widerstandsmessung für die
günstigere Schaltung. Messen Sie die Kennlinie I(U) bei
Spannungen von 0 bis 2.4 V in Schritten von 0.2 V
und stellen Sie die Meßpunkte in einem Diagramm dar. Zeichnen
Sie durch die Meßpunkte eine Ausgleichsgerade und ermitteln Sie
aus dem Anstieg der Ausgleichsgeraden den Widerstand des
Meßdrahts.
- Berechnen Sie mit Hilfe des spezifischen Widerstands von Kanthal
(1.39 mW m) und der Länge des Meßdrahts (1 m) den Durchmesser des Meßdrahts.
5.3 Spannungsteiler
5.3.1 Einführung
Legt man an einen homogen zusammengesetzten Draht konstanten
Querschnitts eine Spannung UB an, so verteilt sich der
Spannungsabfall gleichmäßig über die Drahtlänge. Mittels eines
verschiebbaren Schleifkontakts kann man beliebige Spannungen im
Bereich von 0 bis UB abgreifen (Abbildung , links).
Die abgegriffene Spannung ergibt sich zu
wobei l0 die Länge des Meßdrahtes ist und l die Länge des
Teilstücks, an dem die Ausgangsspannung abgegriffen wird.

Abb. 2:
Spannungsteilerschaltungen
Einen Spannungsteiler mit festem Teilerverhältnis kann man aus zwei
Festwiderständen aufbauen (Abbildung 2, rechts). Wenn ein
solcher Spannungsteiler aus einer Spannungsquelle mit vernachlässigbar
kleinem Innenwiderstand gespeist wird, verhält sich sein Ausgang wie
eine Spannungsquelle mit der elektromotorischen Kraft
und dem Innenwiderstand
- Messen Sie bei einer festen Spannung UB = 2.0 V den
Spannungsabfall längs des Meßdrahts als Funktion von l in
Schritten von 5 cm . Tragen Sie die Meßpunkte in ein
Diagramm ein und zeichnen Sie eine Ausgleichsgerade.
- Leiten Sie die Gleichungen 4 und 5 her.
Welche anschauliche Bedeutung hat dir rechte Seite von Gleichung
5 ?
5.4
Wheatstonesche Brücke
5.4.1 Einführung

Abb. 3:
Schaltung einer Wheatstoneschen Brücke
Eine Wheatstonesche Brücke erlaubt es, einen unbekannten Widerstand
Rx durch Vergleich mit einem bekannten Normal-Widerstand RN zu messen. Weder die Größe der Brückenspeisespannung
noch die Kalibrierung des Nullinstruments gehen in das Ergebnis ein,
jedenfalls nicht direkt. Man kann die Schaltung (Abbildung
3) als zwei von derselben Spannungsquelle gespeiste
Spannungsteilerschaltungen auffassen. Das Nullinstrument zeigt keine
Spannung, wenn die Ausgangsspannungen der beiden Spannungsteiler gleich
sind. Dann gilt:
|
|
l
l0
|
·UB = |
RX
RX + RN
|
·UB |
|
und daraus folgt
- Leiten Sie die Gleichung 6 her.
- Berechnen Sie den relativen Fehler von RX, der sich aus einem
Fehler von 1 mm bei der Ablesung von l ergibt, wenn RX
einen Wert von 1/4 RN, 2/3 RN,
RN, 3/2 RN oder 4 RN hat. Was ergibt sich
daraus für die Wahl des Normalwiderstandswerts?
- Bauen Sie eine Wheatstonesche Brückenschaltung nach Schaltbild
3 auf. Stellen Sie die Brückenspeisespannung auf
2 V ein. Verwenden Sie als Normalwiderstand RN den
Stöpsel-Rheostaten. Dieser enthält vier in Reihe geschaltete
Normalwiderstände von 10 W, 20 W, 30 W und 40 W. Jeder einzelne kann durch einen
kegelförmigen Bolzen, einen Kurzschluß-Stöpsel ,
überbrückt werden. Die Kegelform ermöglicht einen hohen
Anpreßdruck und damit einen kleinen Übergangswiderstand. So
lassen sich in Schritten von 10 W alle
Widerstandswerte von 10 W bis 100 W
verwirklichen. Die Kurzschluß-Stöpsel sollen gut festgedreht,
nicht benutzte Stöpsel in den dafür vorgesehenen Bohrungen
aufbewahrt werden.
Schalten Sie zur Messung die Speisespannung mit dem Tastschalter
nur kurzzeitig ein und beobachten Sie dabei das Nullinstrument.
Verschieben Sie den Abgriff am Meßdraht, bis das Nullinstrument
beim Schließen des Tastschalters keinen Ausschlag mehr zeigt.
Dann ist die Brücke abgeglichen und Gleichung 6
gilt.
- Messen Sie jeweils zehn mal die Widerstandswerte von zwei
Widerständen. Berechnen Sie die Mittelwerte und die
Standardabweichungen der Mittelwerte. Notieren Sie die
Bezeichnungen Ihrer Meßobjekte.
- Berechnen Sie den Gesamtwiderstand, den man bei Reihen- und
Parallelschaltung der beiden untersuchten Widerstände finden
würde.
- Berechnen Sie die elektrische Leistung, die bei der Messung in
den Meßobjekten in Wärme verwandelt wurde.
5.5 Geräte
1 Spannungsversorgungsgerät (0...2.5 V)
1 Voltmeter (Mavometer 2,5 V)
1 Amperemeter (Mavometer 0,25 A)
1 Meßdrahtleiste mit Meßdraht und Schleifkontakt
1 Stöpsel-Rheostat
1 Nullinstrument
1 Tast-Schalter
2 zu messende Widerstände
mehrere Meßleitungen mit Bananensteckern
Fußnote:
* Eine
weitere Methode ist in 5.4 beschrieben
© Physikalisches Institut Tübingen 1998